Warum habe ich es überlebt?
 

Wenn mir das passiert wäre, ich hätte es nicht überlebt, sagte eine Freundin.
Vor Christians Tod habe ich auch so gedacht.
Warum habe ich es überlebt?
Nicht nur überlebt: Ich lebe wieder.

Nicht wie früher, bevor sich unser Sohn das Leben nahm. Es ist die Trauer um sein ungelebtes Leben, um das, was er erleiden musste und um meine Unfähigkeit, ihm zu helfen. Um seinen einsamen Tod. Um die Liebe, die ich ihm - und er mir - nicht mehr geben kann.

Durch eine Bekannte erfuhr ich von einer Selbsthilfegruppe in meiner Nähe. Dort treffen sich Eltern, die ein Kind durch Suizid verloren haben. Nach einem Jahr war ich bereit, dorthin zu gehen. Ich fühlte mich stark und offen genug für die Schicksale anderer.

Ich wollte meine Gedanken, meine Gefühle und meine Erfahrungen mit ihnen austauschen und teilen. Manche Eltern gehen diesen Schritt eher. Andere gehen ihn - aus verschiedenen Gründen - nie.

In der Gruppe habe ich Freunde, echte Freunde gefunden. Mag sein, dass unsere Hobbys, unsere bisherigen Lebensvorstellungen, unsere Interessen und Ansichten nicht übereinstimmen. Alles wird überdeckt durch das tiefe, vertraute Gefühl des Miteinanderseins auf derselben Seite des Grabens.

Wohnen wir Eltern im selben Ort, besuchen wir gegenseitig die Gräber unserer Kinder. Wir bringen Blumen mit, vor allem am Geburtstag und Todestag des Kindes. Wir bedanken uns im Namen unserer Kinder. Das macht uns glücklich. Auf diese Weise sind wir Eltern geblieben. Das brauchen wir. Besonders, wenn das einzige Kind gestorben ist.

Textstellen aus: Renate Salzbrenner: “Trauern und Leben - Erfahrungen einer Mutter nach dem Suizid ihres Sohnes”

Mehr dazu unter: http://www.veid.de

Wir möchten Mut machen, sich helfen zu lassen.  

Unsere Gruppe besteht teils aus Fachleuten, wie praktische Ärzte, Psychiater, Psychologen, Lebens- und Sozialberater und andererseits aus Personen des öffentlichen Lebens, wie Pfarrer, Lehrer, Mitarbeiter in der Gemeinde.

Weiters sind einige Betroffene unter uns, die Familienmitglieder durch Suizid verloren haben.

Auch Personen, die ihre Depressionen behandeln lassen und gelernt haben damit zu leben und öffentlich zu ihrer Krankheit stehen, sind dabei.

Manchmal hilft ja schon ein gutes Gespräch
Probleme zu haben, ist menschlich